Heiliger Geist - Quelle der Einheit
Das Wort zum Monat Juni - von Diakon Christian Sych
2) Am 29. Juni feiern wir das Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Die beiden Apostel hatten unterschiedliche Ansichten, welche Wege die junge Kirche einschlagen sollte. Sie stehen wie keine anderen dafür, wie trotz unterschiedlicher Auffassung und Streit, es auch zu Lösungen und zur Versöhnung kommen kann, ohne dass der „Laden“ auseinanderbricht.
Wie wächst Einheit in der katholischen Kirche? In seinem Wort zum Juni spannt dazu Diakon Christian Sych einen Bogen zwischen den großen Festen im Mai und Juni.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist es nur wenige Tage her, dass wir am hohen Pfingstfest das Herabkommen des Heiligen Geistes auf die Jüngerinnen und Jünger und damit die Geburtsstunde der Kirche gefeiert haben. Wie Sie wissen, ist die Feier von Pfingsten ja keine Gedächtnisfeier für ein Ereignis, das vor 2.000 Jahren stattgefunden hat, vielmehr vergegenwärtigt die Feier von Pfingsten dieses Ereignis. In den uralten Hymnen und Gebeten rund um das Pfingstfest kommt zum Ausdruck, dass wir das Kommen dieses Hl. Geistes zu allen Zeiten nötig hatten und haben.
Für uns als Kirche ist der Hl. Geist Quelle der Einheit. Der Hl. Papst Johannes Paul II. sagte: „Wenn die Kirche wie ein Leib und der Heilige Geist gleichsam dessen Seele ist, das heißt der Ursprung seines göttlichen Lebens, und wenn der Geist anderseits am Pfingsttag den Anfang der Kirche wirkte, indem er auf die Urgemeinde in Jerusalem (vgl. Apg 1,13) herabkam, so ist er von dem Tag an und für die neuen, späteren Generationen, die sich in die Kirche eingliedern, Ursprung und Quelle der Einheit, wie es die Seele im menschlichen Leib ist.“
Wie Sie wissen, bin ich ein „spätberufener“ Katholik. Besonders anziehend am katholischen Glauben habe ich immer diese weltweite Einheit der Glaubenden unter dem einen Dach der Kirche Jesu Christi, verbunden in der Einheit des Heiligen Geistes, empfunden. Im April 2005 war ich in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, just zu dem Zeitpunkt, als Josef Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde. Für mich waren das unbeschreibliche Momente, gemeinsam mit den geschundenen Christen im Sudan, die unter einer islamistischen Militärdiktatur zu leiden hatten, mich gemeinsam darüber zu freuen, wie durch das Wirken des Hl. Geistes ein neuer Papst gewählt wurde, der ja gerade in seinem Amt, als Hirte der Weltkirche, oberster Hüter der Einheit der Kirche ist.
Mich erfüllt es mit Sorge, dass derzeit so lautstark in der Kirche gestritten wird. Mich erfüllt es mit Sorge, dass so Manche gerne in verschiedenen gesellschaftlichen Fragen und ihrem Einfluss auf kirchliche Praxis und Lehre in Deutschland gerne einen Sonderweg gehen möchten. Mich erfüllt es mit Sorge, dass Menschen die anders denken als die Mehrheit, an den Rand gedrängt werden, auch in der Kirche.
Gerne möchte ich meine Sorge zum Anlass nehmen, auf zwei Feste im Monat Juni hinzuweisen, die uns in puncto „Wahrung der Einheit“ voranbringen könnten:
1) Am 3. Juni feiern wir Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi. Noch einmal können wir pandemiebedingt dieses Fest nicht mit einer großen feierlichen Prozession begehen. Dies sollte uns aber nicht davon abhalten, zumindest im gegebenen Rahmen Jesus Christus in der Hl. Eucharistie zu verehren, im nachzufolgen, ihn anzubeten und ihn in der Hl. Kommunion zu empfangen. Die Vereinigung mit Jesus Christus durch den Empfang der Eucharistie bewirkt, dass wir mit ihm auch zur Einheit seines Leibes, zur Kirche, zusammengefügt werden. Das geeinte und untrennbare Handeln des Sohnes und des Heiligen Geistes, das der Kirche, ihrem Entstehen und ihrem Fortdauern zugrunde liegt, ist in der Eucharistie wirksam.
Richtungsweisend ist für mich das „Apostelkonzil“ (Vgl. Apg 15), das offenbar auch nicht ohne Streit auskam, es aber letztlich zu einer akzeptierten und autorisierten Entscheidung kam, wie es weiter gehen sollte. Wenn das Ergebnis des Konzils mit den Worten verkündet wird „der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15,28) halte ich das nicht für eine Phrase, ich halte es für essenziell, wie kirchliche Entscheidungen getroffen werden sollten: Niemals ohne den Hl. Geist! Mit ihm sollten wir nicht nur rechnen, sondern ihn sollten wir zu allererst auch fragen.
Vielleicht hat dieser Juni 2021 das Potenzial, die Fragen unserer Zeit dem Heiligen Geist hinzulegen und mit ihm im Bunde im weltkirchlichen Kontext verbunden zu bleiben und gemeinsame, katholische Antworten zu finden.
Ihr Diakon Christian Sych 




