Kirchenchronik
Die Pfarrgemeinde St. Ilgen im geschichtlichen Rückblick
Im Hinblick auf die Geschichte der Klosterkirche St. Aegidius sollten verschiedene Daten auseinandergehalten werden, auch wenn man verschiedene Aspekte durchaus im Zusammenhang betrachten kann. Im Folgenden geht es aber nicht um die Architekturgeschichte der Klosterkirche, sondern speziell um einige wichtige Stationen im pfarrlichen und seelsorglichen Geschehen. Auch hier kann aufgrund schwieriger Forschungsarbeit kein Anspruch auf Lückenlosigkeit bestehen.
Im Jahre 1100 schenkte Bischof Johannes von Speyer dem Kloster Sinsheim Güter in St. Ilgen und benachbarten Orten. Vermutlich zur Zeit von Abt Johannes (1158 - 70) gründete Sinsheim eine Dependence (monasteriolum) und entsandte zunächst drei Mönche nach St. Ilgen. Ihre Zahl wurde später auf vier bis sechs vermehrt. Eine urkundliche Erwähnung 1131 hat die Erlaubnis der hier ansässigen Mönche zur Seelsorge zum Inhalt und die durch Bischof Burkhard II. von Worms erlassene Ausgliederung der neuen Ansiedlung aus dem Pfarrverband von Lofchheim. Zum Ende dieses Jahrhunderts wird auch der Kirchbau beendet unter Probst Rudolf.
Mit einem Sprung ins Jahr 1334 erfahren wir, daß Streitigkeiten zwischen dem Wormser St. Andreasstift als Inhaber der Pfarrei Leimen und dem Probst durch schiedsrichterlichen Spruch des Vitztums von Heidelberg geregelt wurden: Der Pfarrer von Leimen mußte jährlich zweimal zur Abhör der Osterbeichte und sonst zur Versorgung der Kranken nach St. Ilgen kommen.
Im Jahr 1474 verkauft das Kloster Sinsheim seinen Außenposten an Kurfürst Friedrich 1. von der Pfalz, der ihn 1476 unter Einbehalt landesherrucher Rechte dem von ihm gegründeten Dominikanerkloster in Heidelberg schenkte.
Spätestens mit dessen Auflösung 1550/51 dürfte auch St. Ilgen als klösterliche Einrichtung außer Gebrauch gekommen sein. Fortan diente es ausschließlich als Pfarrkirche, eine Funktion, die es sicher zuvor auch schon hatte. Von 1475 an wurde die Seelsorge für St. Ilgen von der Pfarrei Leimen versehen.
1556 erfolgte durch die Kirchenordnung Kurfürst Ottheinrichs die Einführung der Reformation in St. Ilgen. Zur Zeit der Reformation war die Kirche Eigentum der Lutheraner, bald der Reformierten. Während des dreißigjährigen Krieges kam die Kirche zeitweise wieder in den Besitz der Katholiken. 1698 bis 1702 wurde die Kirche von Katholiken, Reformierten und Lutheranern zugleich benützt, welche einen gemeinschaftlichen Kirchendiener hatten. Bei der plälzischen Kirchenteilung 1707 wurde die einstige Klosterkirche den Katholiken zugesprochen.
Eine wesentliche Veränderung bedeutete der Abbruchanfang der alten Kirche 1780. Etwa fünfzig Jahre später wird von der Zugehörigkeit St. Ilgens zur Pfarrei Walldorf berichtet. Dies aber nur für zwei Jahre. In der Folgezeit wurde und blieb St. Ilgen Filiale von Leimen, 1946 dann Expositur, 1949 Kuratie.
1947 erhält die katholische Kirchengemeinde St. Ilgen mit Pfarrer Rudolf Albrecht ihren ersten am Ort wohnenden Seelsorger. Während die Pfarrgemeinde in den Nachkriegsjahren durch Flüchtlinge kräftig anwuchs, mußten auch an der Aegidiuskirche 1961 umfangreiche Renovierungen beginnen. Nach 21 jährigem segensreichen seelsorglichen Wirken trat Pfarrer Albrecht 1968 in den Ruhestand. Pfarrer Friedrich Appel übernahm die Pfarrei ab 1968.1972 begrüßte die Pfarrgemeinde Herr Pfarrer Wilhelm Mehlmann als neuen Seelsorger. In seiner Amtszeit wurde 1980 mit dem Bau des neuen Gemeindehauses begonnen, welches zur Freude aller 1982 als ,,Maximilian-Kolbe-Haus" in Betrieb genommen wurde. Bis dahin mußten sich die Gruppen und Kreise der Gemeinde in nicht pfarreieigenen Räumen treffen. 1984 mußte sich die Pfarrgemeinde von ihrem beliebten Pfarrer Wilhelm Mehlmann verabschieden, der in den Ruhestand ging. Nachfolger ist seitdem Pfarrer Wolfgang Schmitt.
Die Katholische Pfarrgemeinde rückte nun auch zahlenmäßig an die magische Grenze von dreitausend Gemeindeglieder heran, was sich bis heute immer mehr auf das kirchliche Leben auswirkt. Gleichzeitig entsprach auch der Zustand der Pfarrkirche nicht mehr den Bedürfnissen, so daß man schon vor zehn Jahren an die Notwendigkeit einer baldigen Renovierung dachte, die dann auch eine Erweiterung beinhalten sollte. Nachdem man sich für den Erhalt der historischen Baustruktur entschieden hatte, zog man nach umfangreicher Planung im Herbst 1992 mit dem Gottesdienst ins Maximilian-Kolbe-Haus um, welches die Gemeinde auch mit Dankbarkeit nutzte.
Nach dem Wiedereinzug in die Kirche am 19. Februar 1995 hat die Gemeinde wieder ihren geistlichen Mittelpunkt, Ausdruck religiösen Lebens aller Jahrhunderte ihres Bestehens, auch unserer Zeit.
Wolfgang Schmitt, Pfarrer (Februar 1995)
Von Mai 2008 - Dezember 2024 war Pfarrer Dr. Arul Lourdu Pfarrer in Leimen und - nach dem Zusammenschluss der beiden ehemaligen Nachbarseelsorgeeinheiten Leimen-Nußloch-Gauangelloch und Sandhausen-St. Ilgen - Leitender Pfarrer der heutigen Seelsorgeeinheit Leimen-Nußloch-Sandhausen.
